FOTOS MACHEN  SICHTBAR

Private Fotos haben einen einzigartigen historischen Wert und belegen schöne Zeiten und Dramen des Alltags. Oft sind es die einzigen noch verfügbaren Dokumente eines Ereignisses, dass ansonsten im besten Fall in Form einer persönlichen Erinnerung oder einer anekdotischen Erzählung fortleben würde. Obschon eine Fotografie aus der Vergangenheit stammt, kommt jede Handlung damit aus der Gegenwart. Fotografien machen Erfahrungen sichtbar und animieren zu neuen symbolischen Handlungen. Gleichzeitig ermöglicht die Arbeit mit Fotografien das Aufarbeiten komplexer Ereignisse, indem sie hoch aufgeladene Erfahrungen in routinierte Abläufe überführen.

Fotografien sind wie geschaffen, um intermediale, kunsttherapeutische Prozesse zu initiieren und zu dokumentieren. Die Arbeit mit einem Foto ermöglicht einen kreativen, freien Einstieg in einen gestalterischen Prozess und ist als Handlung, rasch und einfach ausführbar. Dabei wirkt eine Fotografie als Dolmetscher zwischen der bewussten Verstandessprache und der unbewussten, körperbezogenen Erlebnissprache.

PERSÖNLICHE HALTUNG UND ERFAHRUNGEN

Ich verstehe die Arbeit mit Fotografien als eine Art der Achtsamkeitspraxis, wobei es darum geht, das wahrzunehmen, was sich gerade im Moment entfalten möchte. Beim achtsamen Fotografieren wird neben dem Bewussten auch Unbewusstes visualisiert, wie zum Beispiel – Zufälliges, Phantasien, Träume, innere Bilder und Körpersymptome. Wenn dieses Zu-fällige achtsam erforscht wird, es sichtbar, spürbar oder hörbar, also greifbar und lebendig wird, kann das Entwicklungspotential sichtbar werden und sich entfalten. Daraus wächst Schritt für Schritt eine innere Haltung von Achtsamkeit, Vertrauen, Empathie, Kreativitität und Humor gegenüber dem Zufälligen.

Die Schwerpunkte – Achtsamkeit, Biografiearbeit, Visual Storytelling und die Prozessorientierte Arbeit – sind meine Verbindungen zur Fototherapie und partizipativen Fotografie. Hierin entwickle ich in meiner kunsttherapeutischen Praxis laufend neue Anwendungsbereiche.

Mein Interesse gilt dem Transfer zu klassischen und neuen Medien - zum Intermedialen. Die heute alltäglich praktizierte digitale Erfahrungswelt, distanziert sich gerne mal vom Sinnlichen, Empathischen und Intuitiven.

Seit Jahren erforsche ich die Rezeptive (Fotos betrachten) und Aktive Fototherapie (fotografieren und fotografiert werden). Es liegt mir am Herzen das Potential des Mediums Fotografie bekannt zu machen, weiterzuentwickeln und insbesondere sozial und therapeutisch Tätige für die fotografiegestütze Arbeit zu sensibilisieren. Hierzu biete ich massgeschneiderte Schulungen, Workshops, Referate und Lehrtherapien an.

 

 

FOTOGRAFIEN UND INTERMEDIALE PROZESSE

Dank ihrer Materialität fordern uns Fotografien zur Weiterverarbeitung auf. Diese Massstabsfreiheit stellt gewissermassen einen beweglichen Körper dar, der beliebig vergrössert oder verkleinert werden kann. Aus verschiedenen Gegenwartspositionen wird eine Fotografie unterschiedlich wahrgenommen und weiterverarbeitet. Jede neue Selbstauslegung setzt sich rekonstruktiv mit dem Ursprungsbild auseinander.

Grundsätzlich kann eine Fotografie (Fotokopie, Scannerdruck oder Abzug) auf beliebige intermediale Weise weiterverarbeitet werde. 

Eine Wandlung des Erscheinungsbildes wird ermöglicht und eingeräumt. Das Ausgangsfoto ändert sich, einzelne Stellen werden hervorgehoben, übermalt oder neu ausgelegt, abfotografiert, gefilmt und mit Auditivem ergänzt. Diese Bildtransformationien, ermöglicht ein Aufbrechen von festgefahrenen Wahrnehmungsmustern. 

FOTO-METAPHERN ALS ÜBERGANGS-OBJEKTE

In Übergangsphasen, wie zum Beispiel einer Hochzeit, Schwangerschaft, Geburt, Krankheit, Kündigung oder in Form eines Trauerrituals kann ein Fotoritual sehr wirkungsvoll sein. Die Prozessarbeit mit einem Foto ermöglicht dem Betrachter zu begreifen, in Beziehung zu setzen, anzunehmen, loszulassen oder zu verarbeiten. Übergänge haben etwas Zerbrechliches an sich, sie betreten meist neues Terrain wo Unsicherheiten und Ängste lauern. Im Übergang zwischen Trennung von Altem und unbekanntem Neuland wird die sichere Vertrautheit vermisst. Aus diesem Grunde fällt in Übergangen das Loslassen oft besonders schwer. Kann das Vorher und Nachher mittels eines fotografischen Zeugen in Beziehung gesetzt werden, wird eine Loslösung erleichtert und unterstützt.

Eine Fotografie dient hier als Übergangsobjekt, ähnlich dem Mutterersatz in Form eines Teddys oder Schnullers für ein Kleinkind.

Im Vordergrund stehen innerpsychische Vorgänge die mit einer Fotometapher korrelieren und weniger die Qualität und Ästhetik des Abbilds. Das wiederum bedeutet, dass das Potential eines Fotos weniger in der visuellen, sichtbaren Funktion, sondern vielmehr darin liegt, wie verschiedene Details auf einem Foto den Verstand, das Herz und den Körper berühren.

Das Foto nimmt eine Platzhalterschaft für unsere Gefühle ein und befreit in einem gewissen Sinne bildhafte Erinnerungen aus ihrer Isolation. Durch diesen Zugang werden Empfindungen kommunizier- und reflektierbar und gleichzeitig belebt. 

Aktuelle Projekte

FOTO-GENERATIONEN-DIALOG 

DER FOTO-GENERATIONEN-DIALOG BIETET SCHÜLERINNEN UND SCHÜLERN, SOWIE MENSCHEN MIT DEMENZ EINEN KREATIVEN BEGEGEGNUNGSRAUM MITTELS DEM MEDIUM FOTOGRAFIE

FOTO-ERZÄHL-CAFÉ 

DAS BETRACHTEN VON FOTOGRAFIEN ALS GRUNDLAGE DER KOMMUNIKATION UND TEILHABE FÜR MENSCHEN MIT DEMENZ